Warum der Farbton trotz gleicher Nummer nicht passt
Kurz beantwortet
Lack altert durch UV-Licht, Wäschen und Witterung — nach wenigen Jahren weicht er sichtbar vom Werkszustand ab. Ein nach Farbcode gemischter Lack trifft deshalb den Neuzustand, nicht Ihr Fahrzeug. Deswegen wird der Ton am Fahrzeug gemessen und in das angrenzende Bauteil ausgeblendet. Diese Beilackierung ist keine Zusatzleistung, sondern Teil einer fachgerechten Reparatur.
Von Enes Ateş, Inhaber · Zuletzt geprüft am 22. September 2026
Lack altert — und zwar sichtbar
Ein Fahrzeuglack ist kein statischer Zustand. Über die Jahre wirken darauf ein:
- UV-Strahlung, die Pigmente ausbleicht
- Waschanlagen, die feine Kratzer in den KlarlackDie oberste, durchsichtige Lackschicht. Sie erzeugt den Glanz und schützt die darunterliegende Farbe vor UV-Licht, Steinschlag und Waschstraße. Ist nur der Klarlack beschädigt, reicht oft eine kleine Reparatur. bringen und ihn mattieren
- Umwelteinflüsse wie saurer Regen, Vogelkot, Streusalz
- Wärme und Kälte im ständigen Wechsel
Nach wenigen Jahren ist der Ton messbar anders als am Tag der Auslieferung. Ein nach Farbcode gemischter Lack trifft den Neuzustand — nicht Ihr Fahrzeug.
Dazu kommen Fertigungstoleranzen: Schon ab Werk liegen Bauteile innerhalb eines zulässigen Toleranzbereichs, und Anbauteile aus Kunststoff werden oft in einem anderen Werk lackiert als die Karosserie.
Wie der richtige Ton gefunden wird
1. Messen. Ein Spektralfotometer misst den tatsächlichen Farbton am Fahrzeug, aus mehreren Winkeln. Bei Effektlacken ist der Winkel entscheidend, weil die Pigmente das Licht richtungsabhängig reflektieren.
2. Abgleichen. Das Messergebnis wird mit der Lackdatenbank abgeglichen. Für einen Serienfarbton existieren oft Dutzende Varianten — eine davon passt.
3. Mischen und prüfen. Die Farbe wird angemischt und auf ein Musterblech aufgetragen, im gleichen Schichtaufbau wie später am Fahrzeug. Das Blech wird bei Tageslicht gegen das Bauteil gehalten.
4. Nachjustieren. Stimmt es nicht, wird nachgemischt — bevor das Bauteil lackiert ist.
Warum trotzdem beilackiert wird
Selbst bei perfekt getroffenem Ton bleibt ein Problem: Zwei Flächen, die direkt aneinander stoßen, vergleicht das Auge unerbittlich. Schon kleinste Abweichungen werden an der Kante sichtbar, während dieselbe Abweichung über ein ganzes Bauteil hinweg niemandem auffällt.
Die Lösung ist die BeilackierungWird nur ein Bauteil neu lackiert, sieht man den Übergang zum Nachbarteil oft trotz exakt gleichem Farbcode — Lack altert und verändert sich. Bei der Beilackierung wird der Farbton deshalb in das angrenzende Teil ausgeblendet. Der Übergang verschwindet, die Reparatur fällt nicht mehr auf.: Der neue Lack wird nicht an der Bauteilkante abgesetzt, sondern in das angrenzende Teil hinein ausgeblendet — von voller Deckung zu Null. Die Übergangszone ist so weich, dass keine Kante entsteht.
Deshalb ist die Beilackierung kein Aufschlag, sondern Voraussetzung für ein unsichtbares Ergebnis.
Die schwierigen Farben
| Lackart | Aufwand | Warum |
|---|---|---|
| Uni | gering | Ein Farbton, keine Effektpigmente |
| Metallic | mittel | Aluminiumpigmente müssen gleich ausgerichtet liegen |
| Perleffekt | hoch | Mehrschichtig, stark winkelabhängig |
| Dreischicht | sehr hoch | Grundton und Perlschicht getrennt, jede Schicht zählt |
Besonders heikel sind helle Silber- und Weißtöne mit Effektpigmenten: Dort fällt jede Abweichung sofort auf.
Wenn die Versicherung die Beilackierung streicht
Versicherer kürzen diese Position regelmäßig mit dem Argument, sie sei nicht erforderlich. Fachlich ist das bei Effektlacken kaum haltbar.
Wir dokumentieren die Notwendigkeit — Messwerte, Lackart, betroffene Bauteile — und begründen sie gegenüber der Versicherung. Das gehört zu unserer Unfallabwicklung dazu.